Nach fünf Jahren (Jubiläum V)

Vor fünf Jahren, am 6.6.2012, begann ich mit meiner Arbeit am vorliegenden Blog. Ich habe dem Blog damals den Titel „Philosophische Notizen“ gegeben. Diesen Titel ändere ich jetzt. Er lautet ab sofort „Philosophische Annotate“ und erhält den Zusatz „Pub­li­ka­ti­ons­­blog“. Außerdem habe ich den Blog um einige zusätzliche Informationen erweitert. Was hat es mit diesen Änderungen auf sich?

*

Erstens, wenn es ein Thema, einen Topos, eine kritische Differenz, gibt, die sich all die Jah­re in mei­nem Blog durchgehalten hat, dann ist es die Differenz von Philosophie und Philosophiewissen­schaft. Sie habe ich vor 25 Jahren das erste Mal in meinem Text „Kon­tex­tu­el­le Negativität. Einige Anno­ta­te zur Auseinandersetzung von Philosophie und Phi­lo­so­phie­wis­sen­schaft“ bemüht.

Ich muss diese Differenz hier, glaube ich, nicht mehr erläutern. Vielleicht für meine neuen Leser nur dies: So wie wir Literatur und Literaturwissenschaft oder Kunst und Kunst­wis­sen­schaft mit gu­ten Gründen voneinander trennen, so sollten wir auch Philosophie und Philosophiewissenschaft tren­nen. Das heißt nicht, dass es keine Überschneidungen gibt. Aber die Differenz selbst ist sinnvoll.

Eine Konsequenz dieser Differenz war für mich der fragmentarische Stil, in dem ich mei­nen da­ma­li­gen Text, be­wusst an­ti­-aka­de­misch, gehal­ten hatte: als eine Ansammlung von Annotaten. Darunter verstand ich und verstehe ich noch heute – eine intermediäre Form, eine Form des Übergangs: zwi­schen Notat und Traktat, Aphorismus und Essay, künst­le­ri­scher und philosophi­scher Darstellung.

In dieser Übergangszone bewegt sich auch mein Blog. Vor fünf Jahren hatte ich schon ein­mal daran gedacht, den unscharfen Annotatbegriff in den Titel des Blogs zu übernehmen, aber da ich zum da­maligen Zeitpunkt nicht wusste, wohin mich die Arbeit an ihm führen würde – zur Bekräftigung einer ursprünglichen Intuition – wählte ich die neutralere Bezeichnung „Notizen“.

*

Zweitens, der vorliegende Blog ist kein Blog im strengen oder gewöhnlichen Sinne: er ist kein rei­nes Informations-, aber auch kein Diskussions- oder Kommunikationsmedium. Das heißt, ich lege kein be­sonderes Gewicht – was nicht heißt: keinen besonderen Wert (s.u.) – auf Kommentare. Wenn ich mit mei­­nen Lesern kommuniziere, so nur auf in­di­rek­tem Weg.

Dieser Weg ist der klassische Weg der Kontaktaufnahme mit einem Autor: Man kann mich an­schrei­ben, vor allem per E-Mail (sehr selten erhalte ich einen Brief), aber man kann, um mit mir in Kontakt zu treten, auch die Kommentarfunktion des Blogs nutzen. Keiner die­ser Kommentare wird jedoch ver­­öffentlicht, und ich behalte mir vor, darauf zu reagieren.

Insofern ist der vorliegende Blog vor allem ein Pub­li­ka­ti­ons­­blog. Ich nutze ihn, um mich in anderer als in der bisherigen, gedruckten Form mit philosophischen Themen aus­ein­an­der­­zu­set­zen. Auch deshalb, weil die klassische, gedruckte Form einige gewichtige Nach­tei­le hat, u.a.: Der Weg zum Leser ist lang, die Korrekturmöglichkeiten sind gering, Feed­backs sind so gut wie unmöglich.

Um kurz auf den letzten Punkt einzugehen: Trotz meines recht restriktiven Umgangs mit der Kom­mentarfunktion bemühe ich mich, auf Feedbacks und Kritik zu reagieren. Denn ich bin durchaus sen­sibel für Kritik, habe aber auch eine eigene Vorstellung davon, wann sie produktiv ist und wann nicht. Dabei gilt: Eine Fülle meiner Beiträge wäre ohne meine Leser gar nicht zustande gekommen.

*

Nun noch kurz zu einer weiteren Neuerung: Ich habe jetzt von der korrespondierenden bio­gra­phi­­schen Website (www.christiankupke2.wordpress.com) die Bibliographie meiner Texte sowie die Dar­stellung meiner intellektuellen Biographie in den Blog übernommen (vgl. die Menüleiste). Die bis­he­ri­ge Trennung war un­glücklich, insbesondere was den bio­gra­phi­­schen Teil betrifft.

Umgekehrt habe ich jetzt für die biographische Website eine eigene, stärker le­bens­ge­schicht­lich fun­dierte Biographie (vgl. hier) geschrieben. Ich habe damit lange gehadert. Die für Lebensläufe typi­sche chronologische Liste von Betätigungsfeldern halte ich, was meine Arbeit(en) anbelangt, für pseudo-objektiv, eine schriftliche Ver­samm­­lung so ge­nann­ter Life-Events dagegen für pseudo-subjektiv.

Pseudo-objektiv: Ich bin kein Wissenschaftler, zumindest nicht im gegenwärtig geläufigen Sinn (s.o.) und / oder Unternehmer meiner selbst. Ich kann und will meine philosophische Haut nicht zu Mark­te tragen und verstehe auch meine Texte nicht als Visitenkarte meines Denkens. Meine Visitenkarte weist mich stets als denselben aus. Ich bin ein anderer.

Pseudo-subjektiv: Philosophisches Denken, die philosophische Tätigkeit ist weitaus en­ger mit dem Leben verknüpft, als man denkt, insbesondere mit dem, was man den Zeitkern ei­nes Lebens nennen könnte. Dieser – kultur-, politik- und lebens­geschichtliche – Zeitkern ist es, aus dem sich die Individu­a­lität eines Denkens speist. Ihm auf der Spur zu sein, ist Teil philosophischen Lebens.

Über Christian Kupke

Philosoph, Autor + Dozent
Dieser Beitrag wurde unter Blog-Hinweise veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s