This Blog – ends (or at least his style)

Dieser Blog neigt sich seinem – bzw. meine Arbeit an ihm ihrem – Ende zu. Sechseinhalb Jahre, vom Juni 2012 an habe ich mich, Monat für Monat, auf den Weg gemacht, um ei­nen bestimmten, am An­fang noch unbestimmten philoso­phischen Stil zu erproben, in dem zwei In­ten­tionen miteinan­der ver­bunden werden sollten: auf der einen Seite die Bereit­schaft zu spontanen theo­re­ti­schen Äuße­run­gen auf­grund aktueller po­litischer und / oder kultureller Ereignisse (ich er­innere an die Terroris­musge­fahr, die Flüchtlingsdebat­te oder an das Aufkommen von Verschwö­rungs­­the­o­rien sowie von esoteri­schen und neurechten Bewe­gun­gen), und auf der anderen Seite der Wille zu refle­xiven, auch histo­rischen Ana­ly­sen mit syste­ma­ti­schem Anspruch, v.a. in meinen so ge­nannten „Rei­hen“ (der Irrwitz-, der Widerstands-, der Badiou-, der Lorenz-Sorgner- und, zum Schluss, der Ideen-Reihe).

Insbesondere die letzte dieser „Reihen“, die Ideen-Reihe, die ich in Form und Inhalt als ge­scheitert betrachte (vgl. meinen letzten Blogbeitrag), hat mich veranlasst, noch einmal über eine Neu­ju­stie­rung meines Blogs nachzudenken. Kaum ein Leser, auch kein pro­fes­si­o­nel­ler, dürfte am Ende noch in der Lage gewesen sein, den mäandernden Bewegungen meiner Textur zu folgen. Und als vor einigen Monaten ein guter Freund meinte, mein Blog werde in seiner sperrigen, einen langen Lek­tü­re-Atem voraussetzen­den linear-chro­no­lo­gi­schen Form allmählich zu einem Grabmal, einer Krypta von Tex­ten, konnte ich ihm nach einigem Zögern, das der Überraschung geschuldet war, nur bei­pflich­ten. Die fast zwei­hun­dert Texte, die hier veröffentlicht sind, kann kaum einer mehr überblicken; ihr sys­tema­tischer Zusammenhang geht in der dem Blog geschuldeten Chronologie allmählich ver­loren.

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Von daher kann die Antwort auf die Beobachtung meines Freundes nur bedeuten: das Grabmal zu öff­nen, das Paket der Texte erneut aufzuschnüren und das Tote an ihnen von ihrem Lebendigen zu trennen. Kurzum, ich habe mich entschlossen, alle Beiträge meines Blogs noch einmal durchzugehen und einen Teil davon (das Lebendige, das sich dem To­ten verdankt) für eine Publikation in Buchform vorzubereiten, d.h. zu überarbeiten oder sogar neu zu schreiben. Konkret plane ich zwei Bände mit jeweils einer bestimmten An­zahl von Essays und einem ausführlichen Textapparat, der sich den viel­fältigen Bezügen widmet, die in die Texte eingegangen sind. Den ersten Band mit dem voraussichtli­chen Titel „Enttäuschendes Denken“ bereite ich derzeit für das kom­mende Jahr vor. Der zwei­te Band mit dem Titel „Widerständiges Denken“ soll 2020 folgen.

Eine mühevolle Arbeit, die – neben meiner Unterrichtstätigkeit, welche mir mit der Zeit immer wich­ti­ger gewor­den ist – alle mir noch verbliebenen intellektuellen Ressourcen erfordern wird. Auch des­halb erscheint es mir sinnvoll, die Blog­arbeit vorerst ruhen zu lassen. Denn ich bin jemand, der äu­ßerst skrupu­lös vorgeht und immer sehr langsam ar­bei­tet. Viele meiner früheren Pro­jekte sind daran ge­schei­tert, dass ich sie nicht mit der nötigen Geschwindigkeit vorantreiben konnte; ich hatte am En­de oft kein Interesse mehr an ihnen – und wer will schon etwas lesen, das sich einer „interesselo­sen Disziplin“ ver­dankt? Die Form der Blog­arbeit war dagegen ideal für mich; denn in ihr ist das Frag­men­ta­rische gleichsam Programm. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass ich, sobald ich die Bü­cher fer­tig gestellt haben werde, wieder zur Blogarbeit zurückkehre.

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Es gibt aber auch noch einen anderen, sachlichen, nicht nur zeitökonomischen Grund, wa­rum ich meine Blogarbeit unterbreche. Die philosophische Arbeit des Denkens kommt zwar, wenn ich recht se­he, nie an ein Ende, aber ihre Formen wechseln mit den An­for­de­run­gen, denen das Den­ken unter­liegt. Eine dieser Anforderungen war es, den Abstand deutlich zu machen, der die Phi­lo­sophie von den Wissen­schaften trennt. In einer Zeit, in der die Wissenschaften fast alle Lebensbe­rei­che an sich reißen, um sie mehr und mehr zu verwissenschaftlichen – die Erziehung, die Po­litik, die Phi­losophie, die Pfle­­ge: nichts bleibt der Herrschaft der Wissenschaften entzogen – in einer solchen Zeit schien es mir sinnvoll, auf einen fast schon utopischen Ort zu verwei­sen, an den die Wis­sen­schaften nicht ge­langen können: an den der individuellen Erfahrung, der Erfahrung von In­di­vi­du­a­li­tät.

Aber dieses Paradigma meiner Texte hat sich mittlerweile erschöpft. Alles, was ich dazu sa­gen kann und sagen konnte, habe ich gesagt. Es gibt, obwohl das Thema nach wie vor aktuell ist und weiterhin an Aktualität gewinnt – denn die irrwitzig betriebene Ver­ding­li­chung des Menschen schreitet weiter voran und wird der Menschheit, wenn mich nicht alles täuscht, eines Tages den Kopf kosten – es gibt von meiner Seite nur noch wenig dazu zu sagen. Ich möchte mich vielmehr verstärkt Themen wid­men, die den besagten uto­pi­schen Ort jenseits der Wissenschaften, ein nicht-szien­ti­fi­sches Außen um­krei­sen: jene Erfahrungen von Freundschaft und Liebe, von gelebter Solidarität und Toleranz, von denen ich schon in früheren Blogbeiträgen, wenn auch nur in Ansätzen, gesprochen habe (vgl. etwa meinen Blogbeitrag v. 21.5.18, Abschn. 4 sowie meinen Blogbeitrag v. 20.10.18 , Schluss).

Postskriptum:

Alle weiteren Einträge in diesem Blog – es werden Kurzeinträge sein – werden lediglich mit drei Punkten: , dem Insignium des Nach-Den­kens, versehen. Sie werden entweder den Übergang zu einem neuen thematischen Block / Blog markieren, oder sie werden oh­ne weitere An­kündigung und ohne weiteres Nach-Denken, enden.

Leser, die weiterhin daran interes­siert sind, meine Texte zu lesen, werden auf diesem Blog recht­zei­tig über das Erscheinen der oben erwähnten Bücher informiert. Sie können auch Kontakt mit mir über meinen biographischen Blog halten, der in unregelmäßigen Ab­stän­den Info-Updates über die Chronologie meiner Arbeiten erhält.

Über Christian Kupke

Philosoph, Autor + Dozent
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